Ein kurzes Wiedersehen

Die Musik ist aus. Übrig bleiben nicht zusammengehörige Töne. Ambivalenzen. Verkrüppelte Stimmungen, und dazwischen du. Alle Schwingungen die zuvor noch meinen Körper durchbohrt haben, wurden von dir aufgesaugt, haben sich in deinen sorgenvollen Lachfalten vergraben. Mir ist klar, dass du mich siehst und dir ist klar, dass ich all meine Aufmerksamkeit in meine Augenwinkel fließen lasse. Die Sensoren ertasten dich. Da ist der Geruch. Zwischen all den schweißgetriebenen Gewaber erahne ich deine Akzente und sauge sie mit Verlangen und Abscheu in mich auf.

Da stolzieren deine kräftigen Waden auf dem durchgetretenen Parkett, und auf einmal formen sich die gequälten Töne zu einer Allianz zusammen. Du bist der Rhythmus der diesen Moment von einer Seite zur anderen zappeln lässt. Ich bin der Kritiker der durch zu engen Kontakt mit dem Lärm deiner Ouvertüren taub geworden ist. Kurz lächel ich. Kurz stöhne ich auf. Ich sehe den Wald den du in deinen Augen trägst. Wie er in meine Richtung wandert und mich auffordert in ihm verloren zu gehen. Und wie sehr ich das möchte. Die Kleider abwerfen. Als wildes Tier durch dein Laub streifen. Die giftigen Beeren verschlingen. Mein Revier an jedem Höhleneingang markieren. Ich höre die Vögel hoch oben in den Kronen deiner Gedanken, die mir zu verstehen zu geben. Mich jede Nacht in den Schlaf schicken und jeden Morgen in den Tag begleiten. Ich finde die Bäche und trinke gierig von deinen nicht enden wollendem Strom. Deiner Quelle die nie versiegt. Und so vergehen Jahreszeiten. Und so vergehen die einzelnen Sekunden in denen sich unsere Blicke gestreift haben. Ich schrecke hastig nach oben und taste nach meiner Jacke. Meinen Schuhen. Ich habe dich verloren. Wo bist du? Siehst du was ich hier tue? Ich Murmel gegen die immer lauter werdende Melodie deiner Präsenz ein ungläubiges Lebewohl zu all den Fassaden die da um mich sitzen. Ich laufe zur Tür. Ich stoße sie auf und da stehst du. Mit einer Träne in deinem schwarzen Haar, die sich dort vor Jahrhunderten von meinen Augen aus gesammelt hatte und die du nie losgeworden bist. Die du nie loswerden wirst. Dein Mund öffnet sich und deine Lippen offenbaren all die Schlachten die auf ihnen ausgetragen wurden. Die Musik ist aus und übrig bleiben deine ganz geheimen Laute die nur ich so entschlüsselt verstehe und die mich mit ihren Wimpern zu Boden schlagen:

Du gehst jetzt aber nicht wegen mir oder?“

 

Was soll ich darauf noch Antworten? 

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